Ratgeber für digitales Marketing · Schweiz Unabhängige Redaktion · Stand August 2026
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Budget · Ratgeber

Marketing-Budget für KMU: Wie viel, wofür und in welcher Reihenfolge

Drei Beispielbudgets von CHF 300.– bis 3'000.– pro Monat — und die Reihenfolge, die verhindert, dass Geld in den falschen Kanal fliesst.

  • Etabliert
    3–5 % vom Umsatz
  • Wachstum
    6–10 %
  • Neugründung
    10–20 %
  • Erste Priorität
    eigene Website

Das Wichtigste in Kürze

  • Als Richtwert gelten 3 bis 5 Prozent vom Umsatz bei etablierten Betrieben, 6 bis 10 Prozent bei Wachstumsabsicht und mehr in der Startphase.
  • Die Reihenfolge ist wichtiger als die Höhe: erst die eigene Website und das Google-Business-Profil, dann Sichtbarkeit, dann bezahlte Reichweite.
  • Trennen Sie einmalige Investitionen von laufenden Kosten — sonst wirkt das erste Jahr unbezahlbar und das zweite überschätzt.
  • Zehn Prozent des Budgets gehören ins Ausprobieren. Ohne Tests bleibt der Mix jahrelang gleich.

Wie viel Budget angemessen ist

Die gängigen Faustregeln kommen aus dem angelsächsischen Raum und passen auf Schweizer KMU nur bedingt. Als Orientierung sind sie trotzdem brauchbar — man muss sie nur mit dem richtigen Ausgangspunkt verwenden: nicht «was können wir uns leisten», sondern «wie viele Aufträge brauchen wir und was kostet einer».

SituationAnteil am UmsatzBei CHF 500'000 Umsatz
Etabliert, Auslastung gut2–4 %830–1'670/Mt.
Etabliert, Wachstum geplant5–8 %2'080–3'330/Mt.
Neuer Standort, neue Leistung8–12 %3'330–5'000/Mt.
Neugründung, erstes Jahr10–20 %variabel

Die bessere Rechnung: von hinten

Statt von einem Prozentsatz auszugehen, rechnen Sie rückwärts:

  1. Wie viele zusätzliche Aufträge wollen Sie pro Monat? Beispiel: 5
  2. Wie viele Anfragen brauchen Sie dafür? Bei 30 % Abschluss: 17
  3. Was darf eine Anfrage kosten? Bei CHF 1'200.– Deckungsbeitrag und einem Zehntel davon als Grenze: CHF 120.–
  4. Budget: 17 × 120 = CHF 2'040.– pro Monat

Diese Rechnung sagt Ihnen zusätzlich, wann Sie aufhören sollten: Wenn ein Kanal über CHF 120.– pro Anfrage liegt, ist er für Sie zu teuer — unabhängig davon, wie gut er in Fallstudien aussieht. Die Zahlen pro Kanal stehen in Google Ads Kosten in der Schweiz.

Die Reihenfolge, die Geld spart

Der häufigste und teuerste Fehler: Budget in Reichweite stecken, bevor das Fundament steht. Anzeigen auf eine Website zu schicken, die nicht konvertiert, ist bezahlte Sichtbarkeit ohne Ertrag.

Die Stufen, in dieser Ordnung

  • Stufe 1 — Fundament. Eine Website, die auf dem Handy funktioniert, schnell lädt und einen klaren Weg zur Anfrage hat. Ohne das ist alles Weitere Verschwendung.
  • Stufe 2 — kostenlose Sichtbarkeit. Google-Business-Profil, Verzeichnisse, Bewertungen. Kostet Zeit, kein Geld, wirkt lokal am schnellsten.
  • Stufe 3 — Aufräumen. Anfragequote verbessern, bevor Sie mehr Besucher kaufen. Der günstigste Hebel überhaupt.
  • Stufe 4 — organische Sichtbarkeit. Leistungsseiten, Inhalte, Local SEO. Langsam, dafür bleibend.
  • Stufe 5 — bezahlte Reichweite. Google Ads, Social Ads. Sofort wirksam, solange bezahlt wird.
  • Stufe 6 — Bindung. Newsletter, Wiederansprache, Empfehlungen. Günstigster Umsatz pro Franken, braucht aber Bestandskundschaft.

Die Stufen 1 bis 3 sind einmalige Investitionen mit dauerhafter Wirkung. Erst danach lohnt es sich, monatlich Geld in Reichweite zu stecken. Für Stufe 1 ist der Kostenrahmen in Was kostet eine Website in der Schweiz aufgeschlüsselt.

Drei Beispielbudgets

Klein: CHF 300.– pro Monat

Einzelbetrieb, lokal, knappes Budget. Alles selbst gemacht, Geld nur für Infrastruktur.

PostenMonatAnmerkung
Hosting, Domain, Betreuung60Schweizer Server, Backups
Google Ads (Kernbegriffe)200Nur eigene Region, selbst betreut
Rücklage für Fotos, Druck40Ansparen

Eigenleistung: 4 Stunden pro Monat für Profil, Bewertungen, ein Website-Text.

Mittel: CHF 1'000.– pro Monat

Betrieb mit Team, Wachstumsabsicht, will planbar Anfragen.

PostenMonatAnmerkung
Hosting + laufendes SEO90Technik und Betreuung gebündelt
Google Ads Budget500Zwei Kampagnen, lokal
Inhalte / Texte250Ein Beitrag pro Monat extern
Fotos, Video (Rücklage)100Halbtag pro Jahr
Testbudget60Neues ausprobieren

Gross: CHF 3'000.– pro Monat

Mehrere Standorte oder Leistungen, klares Wachstumsziel.

PostenMonatAnmerkung
Hosting, Wartung, Änderungen150inkl. laufende Anpassungen
Google Ads1'200Mehrere Kampagnen, betreut
Ads-Betreuung400ca. ein Drittel des Werbebudgets
SEO und Inhalte6002 Beiträge, laufende Optimierung
Social Media350Produktion und Anzeigen
Bildmaterial200regelmässige Produktion
Testbudget10010 % Regel

Einmaliges und Laufendes trennen

Ein häufiger Planungsfehler: Die Website-Erstellung wird ins Monatsbudget gerechnet. Dadurch sieht das erste Jahr unbezahlbar aus, und im zweiten wird das Budget überschätzt.

ArtPostenRahmen
EinmaligWebsite-ErstellungCHF 600–8'000
EinmaligLogo / BrandingCHF 500–4'000
EinmaligFotoproduktionCHF 800–2'500
EinmaligAds-EinrichtungCHF 800–2'500
EinmaligBeschriftung, Fahrzeug, DruckCHF 500–5'000
LaufendHosting und BetreuungCHF 20–150/Mt.
LaufendWerbebudgetab CHF 300/Mt.
LaufendInhalte und SEOCHF 0–1'000/Mt.

Praktisch heisst das: Behandeln Sie das erste Jahr als Investitionsjahr mit einem eigenen Budgetposten, und planen Sie parallel das laufende Monatsbudget. Sonst wird nach vier Monaten das Werbebudget gestrichen, weil die Website mehr gekostet hat als gedacht — und die Investition verliert ihre Wirkung, kurz bevor sie zu greifen beginnt.

Zur Einordnung von Offerten

Es hilft, die Grössenordnung öffentlicher Preise zu kennen. Bei NordPixel in Luzern liegen Websites für KMU einmalig zwischen CHF 600.– und 2'500.– und die laufende Betreuung mit Hosting in der Schweiz zwischen CHF 39.– und 89.– pro Monat — nachzulesen in der Preisübersicht. Wenn eine Offerte ein Mehrfaches davon vorsieht, sollte begründet sein, warum.

Wohin das Geld je nach Branche gehört

Die Verteilung eines gleich hohen Budgets sieht je nach Betrieb völlig anders aus. Diese Aufteilungen haben sich als Ausgangspunkt bewährt:

BrancheSuche / SEOBezahlte WerbungSocialBindung
Handwerk, Bau50 %35 %5 %10 %
Gastronomie25 %20 %40 %15 %
Beauty, Coiffeur25 %20 %35 %20 %
Gesundheitspraxis55 %25 %10 %10 %
Treuhand, Beratung60 %25 %5 %10 %
Detailhandel lokal30 %25 %30 %15 %
Fitness, Studio30 %30 %25 %15 %

Zwei Muster lassen sich daraus ablesen: Wo Menschen aktiv nach einer Lösung suchen — Handwerk, Praxis, Beratung — dominiert die Suche. Wo Sichtbarkeit und Atmosphäre wirken — Gastronomie, Beauty, Detailhandel — verschiebt sich Gewicht zu Social Media. Was die Kanäle im Einzelnen leisten, steht in Social Media für KMU und E-Mail-Marketing.

Was Sie einmal im Quartal tun sollten

  1. Anfragen pro Kanal zählen. Notieren Sie bei jeder Anfrage die Herkunft. Ohne diese Liste ist jede Budgetdiskussion Meinung.
  2. Kosten pro Anfrage pro Kanal rechnen. Ausgaben geteilt durch Anfragen.
  3. Umschichten. 20 Prozent vom schlechtesten in den besten Kanal.
  4. Eine neue Sache testen, mit dem Testbudget und einem klaren Abbruchkriterium.

Diese vier Schritte, vier Mal im Jahr, ersetzen jede Marketingstrategie im Ordner. Und sie verhindern das Häufigste: dass ein Budget über Jahre gleich verteilt bleibt, weil es niemand nachgerechnet hat.

Häufige Fragen zu Marketing-Budget für KMU

Wie viel Prozent vom Umsatz sollte ein KMU für Marketing ausgeben?

Bei guter Auslastung 2 bis 4 Prozent, mit Wachstumsabsicht 5 bis 8 Prozent, bei Neugründung oder neuem Standort auch 10 bis 20 Prozent. Verlässlicher ist die Rechnung über Zielaufträge und erlaubte Kosten pro Anfrage.

Was ist die erste Investition, die sich lohnt?

Eine Website, die auf dem Handy funktioniert, schnell lädt und einen klaren Weg zur Anfrage hat — plus ein vollständiges Google-Business-Profil. Ohne dieses Fundament verpuffen alle weiteren Ausgaben.

Soll ich Marketing auslagern oder selbst machen?

Selbst machen sollten Sie, was Ihr Wissen braucht: Themen, Fachaussagen, Bilder aus dem Betrieb, Antworten auf Bewertungen. Auslagern sollten Sie Technik, Ladezeit, Kampagnenstruktur und Umsetzung. Diese Aufteilung ist meist die wirtschaftlichste.

Wie lange dauert es, bis sich ein Marketing-Budget rechnet?

Bezahlte Werbung liefert ab Tag eins Anfragen, aber nur solange Sie zahlen. SEO und Inhalte brauchen sechs bis zwölf Monate, wirken dann aber weiter. Realistisch ist ein Planungshorizont von zwölf Monaten für das Gesamtbild.

Was mache ich mit einem sehr kleinen Budget?

Alles, was Zeit statt Geld kostet, hat Priorität: Google-Business-Profil vervollständigen, Bewertungen sammeln, Verzeichnisse bereinigen, Website-Texte klarer schreiben. Diese Massnahmen kosten wenige Franken und bringen lokal am schnellsten Wirkung.