Relaunch · Ratgeber
Website-Relaunch: Die Checkliste, damit Rankings nicht einbrechen
Der häufigste Grund für einen Einbruch nach dem Neustart ist kein Designfehler, sondern eine Handvoll fehlender Weiterleitungen.
- Kritischster Punkt301-Redirects
- Vorlauf2–4 Wochen
- Erholung nach Launch2–8 Wochen
- Risiko ohne Planhoch
Das Wichtigste in Kürze
- Vor dem Relaunch alle bestehenden URLs, Rankings und Zugriffszahlen sichern — ohne diese Liste ist ein Vergleich später unmöglich.
- Jede alte Adresse braucht eine dauerhafte 301-Weiterleitung auf die inhaltlich passende neue Seite. Sammelweiterleitungen auf die Startseite kosten Sichtbarkeit.
- Die neue Seite darf vor dem Launch nicht indexierbar sein — und muss es nach dem Launch zwingend werden. Ein vergessenes noindex ist der teuerste Einzelfehler.
- Ein Rückgang von 10 bis 20 Prozent in den ersten Wochen ist normal. Nach acht Wochen sollte die Sichtbarkeit über dem alten Wert liegen.
Wann ein Relaunch nötig ist — und wann nicht
Ein Relaunch ist ein Eingriff mit Risiko. Wer ihn aus Langeweile am Design macht, riskiert Sichtbarkeit, die über Jahre aufgebaut wurde. Es gibt aber Situationen, in denen Nichtstun teurer ist.
Gute Gründe
- Die Seite ist auf dem Handy nicht brauchbar — kein Nachrüsten möglich.
- Das System ist veraltet oder wird nicht mehr mit Sicherheitsupdates versorgt.
- Die Struktur passt nicht mehr zum Angebot: neue Leistungen, neue Zielgruppen, neuer Ort.
- Die Ladezeit ist schlecht und liegt an der Grundlage, nicht an einzelnen Bildern.
- Inhalte lassen sich nicht selbst pflegen, jede Änderung kostet Geld und Wochen.
Schlechte Gründe
- «Sieht nicht mehr modern aus» — oft löst eine gestalterische Auffrischung dasselbe für einen Bruchteil.
- «Wir werden nicht gefunden» — das liegt meist an Struktur und Inhalten, nicht an der Technik. Prüfen Sie zuerst die SEO-Grundlagen.
- «Der neue Marketingverantwortliche will es so.»
Vor der Entscheidung
Lassen Sie den Bestand prüfen, bevor Sie ihn ersetzen. Ein technischer Website-Check zeigt in kurzer Zeit, ob die Grundlage noch trägt oder ob Nachrüsten teurer wird als ein Neuaufbau. NordPixel bietet diese Analyse kostenlos an; die Kostenseite dazu haben wir in Was kostet eine Website aufgeschlüsselt.
Phase 1: Bestandsaufnahme — vier Listen, bevor irgendetwas passiert
Diese Phase wird am häufigsten übersprungen und ist die einzige, die man später nicht nachholen kann. Sobald die alte Seite abgeschaltet ist, sind die Daten weg.
- Alle bestehenden URLs. Vollständig, nicht nur die Menüpunkte. Quellen: sitemap.xml, Search Console (Bericht «Seiten»), ein Crawler-Werkzeug, Server-Logfiles. Auch PDFs, Bilder mit Direktzugriffen und alte Landingpages gehören dazu.
- Rankings und Suchbegriffe. Export aus der Search Console über die letzten 16 Monate: Suchanfrage, Seite, Klicks, Impressionen, Position. Das ist Ihr Vergleichsmassstab nach dem Launch.
- Die 20 stärksten Seiten. Sortiert nach Klicks. Diese Seiten müssen im neuen Aufbau inhaltlich weiterexistieren — mindestens gleichwertig, besser besser.
- Eingehende Links. Welche fremden Seiten verlinken auf Sie und auf welche Adresse? Diese Adressen dürfen unter keinen Umständen ins Leere führen.
Legen Sie die vier Listen in einer Tabelle ab und sichern Sie zusätzlich eine vollständige Kopie der alten Website — Dateien und Datenbank. Diese Sicherung ist Ihre Rückfahrkarte.
Phase 2: URL-Konzept und Weiterleitungsplan
Jetzt entsteht das Dokument, an dem der Relaunch gelingt oder scheitert: eine Tabelle mit zwei Spalten — alte Adresse, neue Adresse. Für jede einzelne URL aus Liste 1.
| Alte Adresse | Neue Adresse | Typ |
|---|---|---|
| /leistungen/fassade.php | /fassadenrenovation | 301 |
| /ueber-uns.html | /ueber-uns | 301 |
| /news/2019/messe.php | /aktuelles | 301 |
| /kontakt.php?id=2 | /kontakt | 301 |
Die Regeln
- 301, nicht 302. 301 heisst dauerhaft und gibt die aufgebaute Stärke weiter. 302 ist temporär und tut das nur bedingt.
- Inhaltlich passendes Ziel. Eine Seite über Fassaden wird auf die neue Fassadenseite geleitet, nicht auf die Startseite. Massenweiterleitungen auf die Startseite behandelt Google zunehmend wie einen Fehler.
- Keine Ketten. Alt → neu, nicht alt → zwischendurch → neu. Ketten kosten Signalstärke und Ladezeit.
- Wenn nichts passt: lieber eine bewusst gesetzte 410-Meldung als eine irreführende Weiterleitung.
- Domainstruktur beibehalten, wenn möglich. Wechseln Sie nicht gleichzeitig Domain, Struktur und Inhalte — sonst wissen Sie bei einem Einbruch nicht, welche Änderung schuld war.
Wenn Sie Struktur und Inhalte grundlegend ändern wollen: in zwei Schritten mit mindestens vier Wochen Abstand. Der Umweg ist die Ruhe wert.
Phase 3: Kontrolle vor dem Launch
Die neue Seite steht auf einer Testumgebung. Bevor sie live geht, diese Punkte durchgehen — am besten von jemandem, der nicht selbst gebaut hat.
Checkliste vor dem Launch
- Testumgebung ist per noindex und Passwortschutz vor Indexierung geschützt
- Alle 20 stärksten Seiten existieren inhaltlich, mit mindestens gleichwertigem Text
- Titel und Meta-Descriptions für jede Seite gesetzt, keine Duplikate, keine Platzhaltertexte
- Nur eine H1 pro Seite, sinnvolle Zwischentitelstruktur
- Alle Bilder haben Alt-Texte, sind komprimiert und in modernem Format
- Weiterleitungsliste vollständig eingetragen und in der Testumgebung geprüft
- sitemap.xml wird automatisch erzeugt, robots.txt gibt die Seite frei
- Strukturierte Daten vorhanden (mindestens LocalBusiness) und ohne Fehler
- Formulare getestet: Versand, Empfangsadresse, Bestätigung, Spamschutz
- Statistik und Search Console für die neue Fassung vorbereitet
- Mobil auf mindestens drei echten Geräten durchgeklickt, nicht nur im Browser-Simulator
- Ladezeit gemessen — Startseite und die zwei wichtigsten Unterseiten
- Impressum und Datenschutzerklärung aktuell und vollständig
- SSL-Zertifikat gültig, alle internen Links auf HTTPS
- 404-Seite gestaltet und mit Weg zurück in die Navigation
Zeitpunkt: Dienstag- oder Mittwochmorgen. Nie Freitagnachmittag und nie vor Ferien. Wenn nach dem Launch etwas schiefgeht, wollen Sie erreichbar sein — und die Leute, die es beheben, ebenfalls.
Phase 4: Launch-Tag und die ersten 48 Stunden
- Sicherung der alten Seite ein letztes Mal ziehen und ausserhalb des Servers ablegen.
- Umstellung durchführen, Weiterleitungen aktivieren.
- noindex entfernen. Zweimal prüfen. Ein vergessenes noindex nimmt Sie innerhalb von Tagen vollständig aus dem Index — der teuerste Einzelfehler beim Relaunch.
- Stichprobe 20 alte Adressen von Hand aufrufen und prüfen, ob sie mit 301 auf der richtigen Seite landen.
- Sitemap in der Search Console neu einreichen, Indexierung der Hauptseiten anfordern.
- Live-Formulartest mit einer echten Absenderadresse.
- Statistik prüfen: Kommen Daten an?
In den ersten 48 Stunden gilt: Search Console beobachten (Bericht «Abdeckung» und Crawling-Fehler), Serverlogs auf 404-Meldungen ansehen und alles nachtragen, was fehlt. Die meisten Weiterleitungslücken zeigen sich in diesem Fenster.
Phase 5: Die acht Wochen danach
Ein Rückgang direkt nach dem Launch ist normal. Google muss die neuen Adressen erst verarbeiten, und das dauert.
| Zeitpunkt | Normal | Alarmzeichen |
|---|---|---|
| Woche 1–2 | Rückgang 10–20 % bei Klicks | Rückgang über 50 % |
| Woche 3–4 | Erholung beginnt, Positionen stabilisieren sich | Weiterer Rückgang |
| Woche 5–8 | Werte auf oder über dem alten Niveau | Kein Aufwärtstrend |
| ab Woche 9 | Verbesserung durch neue Struktur | Dauerhaft unter altem Niveau |
Bei einem Alarmzeichen prüfen Sie in dieser Reihenfolge: indexierbar (noindex, robots.txt)? Weiterleitungen vollständig und ohne Ketten? Inhalte auf den Kernseiten wirklich gleichwertig oder beim Redesign gekürzt? Canonical-Angaben korrekt? In der Praxis liegt es fast immer an einem dieser vier Punkte.
Häufigster stiller Fehler
Beim Redesign werden Texte «aufgeräumt» — aus 900 Wörtern werden 200, weil es luftiger aussieht. Die Seite verliert damit genau das, wofür sie rankte. Wer Text kürzen will, sollte das getrennt vom Relaunch und mit Blick auf die Search Console tun.
Wenn Sie den Relaunch mit einer Agentur machen, lassen Sie die Weiterleitungsliste vertraglich zur Leistung erklären und verlangen Sie sie als Dokument. Wie ein solcher Ablauf in der Praxis strukturiert wird, beschreibt NordPixel in seinem Leitfaden zum Website-Relaunch — inklusive der Frage, welche Inhalte übernommen und welche neu aufgebaut werden.
Häufige Fragen zu Website-Relaunch
Verliere ich beim Relaunch zwingend Rankings?
Nein. Mit vollständiger 301-Weiterleitungsliste und inhaltlich gleichwertigen Seiten bleibt der Verlust auf wenige Wochen begrenzt. Ohne Weiterleitungsplan sind dauerhafte Einbrüche wahrscheinlich.
Wie lange muss ich Weiterleitungen behalten?
Mindestens ein Jahr, besser dauerhaft. Externe Links, Lesezeichen und alte Aushänge verweisen jahrelang auf die alten Adressen — und der Aufwand, die Regeln stehen zu lassen, ist null.
Kann ich Domain und Struktur gleichzeitig wechseln?
Technisch ja, empfehlenswert nein. Bei einem Einbruch lässt sich dann nicht mehr sagen, welche Änderung die Ursache war. Zwei Schritte mit vier bis sechs Wochen Abstand sind sicherer.
Was kostet ein Relaunch für ein KMU in der Schweiz?
Für einen kleinen Betrieb liegt die Spanne meist zwischen CHF 1'500.– und 6'000.–, abhängig von Seitenzahl, Funktionen und Textaufwand. Einfache One-Pager sind ab rund CHF 600.– zu haben. Details in unserem Ratgeber zu den Website-Kosten.
Muss ich die alte Website archivieren?
Bewahren Sie eine vollständige Sicherung von Dateien und Datenbank auf. Sie brauchen sie, um Texte nachzuschlagen, Weiterleitungslücken zu füllen und im Notfall zurückzukehren.